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Das Wappen des Landkreises Rottal-Inn

Zur Disposition: Der Uttenschwalb, ein Panther, ein Roß, bayerische Rauten und ein Wellenbalken

 

Das alte Eggenfeldener Landkreiswappen gab es erst seit 1963 und das Pfarrkirchner Landkreiswappen seit 1961.Bis zur Landkreisreform 1972 war ihnen also nur ein relativ kurzes Leben beschieden.

 

Das Eggenfeldener Landkreiswappen wird so beschrieben: Schräglinks geteilt von Silber und Gold durch einen schmalen Balken mit den bayerischen Rauten; oben ein wachsender, feuerspeiender roter Panther, unten ein linksgewendeter, rot bewehrter schwarzer Uttenschwalb. - Der Panther als Schildzeichen der pfalzgräflichen Linie der spanheimischen Grafen von Ortenburg bezieht sich auf die Hoheitsverhältnisse bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, der Rautenbalken auf die Wittelsbacher als Rechtsnachfolger. Zu ihrem Viztumamt an der Rott gehörte auch das Kreisgebiet. Den Uttenschwalb aus der Gattung der Störche führte die 1856 ausgestorbene freiherrliche Familie von Closen im Schild, heißt es in der Broschüre „Deutsche Wappen", Bd. 1 aus dem Jahre 1964.

Mir hat die Bezeichnung „Uttenschwalb" einige Rätsel aufgegeben. Dr. Hochholzer, zusammen mit Erich Eder der Verfasser unseres Landkreisbuches, konnte mir da weiterhelfen (Danke!). Im „Bayerischen Wörterbuch" von Andreas Schmeller aus dem Jahre 1872, Bd. 1 Spalte 177 heißt es dazu über dieses Tier:

Das ist nach Wiguläus Hundt, dem bekannten Genealogen des 17. Jahrhunderts, „ain gar seltzamer Vogel. In disem landt findt man ihn zu zeiten vmb die Donaw in ains Raigers (Reihers) Gröss, mit rothen fiessen vnd schnabl, auch ein rotn fleck an der brust, sunst schwartz. Item man malt ihn gemainiglich in ains schwans gestalt." Auch im Wörterbuch der Waidmannssprache (Die Jagd im Deutschen Sprachgebrauch) aus dem Jahre 1963 ist die Beschreibung zu finden. Dr. Hochholzer hat vor Jahren den leider schon verstorbenen Paul Röckl um Nachforschungen gebeten. Dieser fand heraus, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit beim Uttenschwalb um einen Kormoran handeln dürfte.

 

 

Und das Pfarrkirchener Landkreiswappen wurde auch genau erklärt: In Gold ein linkshin trabendes rotes Pferd über einem blauen Wellenbalken. Das Rottal ist durch seine Pferdezucht weltbekannt und die Kreisstadt bildet einen bedeutenden Mittelpunkt des Rennsports. Das Hoheitszeichen des Landkreises stellt deshalb einen Traber dar. Der Wellenbalken symbolisiert den Fluss Rott, der in westöstlicher Richtung das Kreisgebiet durchzieht.

Dadurch wird zugleich an die alte Bezeichnung "Viztumamt an der Rott" für die herzogliche Verwaltungsorganisation im 13. und 14. Jahrhundert erinnert, deren Sitz der Markt Pfarrkirchen gewesen ist. Sie beruhte vor allem auf den 1260 erworbenen Besitzungen der spanheimischen Pfalzgrafen.

Es ist übrigens nachgewiesen, dass Rottaler Pferde bereits von Kaiser Friedrich Barbarossa bei seinem Kreuzzug 1190 ins Heilige Land mit verwendet wurden. Beim Durchzug durchs Rottal wurden von einheimischen bayerischen Adeligen Rottaler Rösser erworben und mit zur Sammelstelle nach Passau gebracht, von wo aus sich der Zug auf den langen, mühsamen Weg machte.

Bevor jemand meint, ich könne links und rechts bzw. vorne und hinten bei der Wappenbeschreibung nicht unterscheiden: Die Bezeichnungen links und rechts im Schild gelten für seinen Träger, also verkehrt zur Sicht des Betrachters. In der heraldischen Fachsprache ist das so festgelegt. Dank an Erich Eder für die Aufklärung!

 

 

Nach diesem Rückblick wird nun erzählt, wie es zum Wappen des Landkreises Rottal-Inn kam. Der Kreistag hat sich die Sache nicht leicht gemacht im Jahre 1972. Neben den obligaten Kreisausschusssitzungen, in denen die Thematik vorbehandelt wurde, waren drei weitere Kreistagssitzungen notwendig, um sich auf das Wappen in der jetzigen Form zu einigen. Es hätte noch länger dauern können, wenn nicht Landrat Ludwig Mayer.....aber das kommt später.

In der 2. Sitzung des Kreistags am 30.8.1972, in der sich übrigens die Kreisräte mit 48:9 Stimmen beim Namen des neuen Landkreises auf „Rottal-Inn" einigten (Rott-Inn wurde mit 36:20 Stimmen abgelehnt), wurden Unterlagen für die Gestaltung des Wappens, geliefert durch Kreisheimatpfleger Eder, von Landrat Mayer vorgestellt. Der Kreisausschuss hatte sich bereits vorher einhellig für ein Wappen mit dem roten Panther, dem Pferd, der Brücke und dem Uttenschwalb ausgesprochen.

In der Kreistagsdiskussion wurden natürlich sofort abweichende Meinungen vorgebracht. Kreisrat von Sommoggy fand es nur gerecht, wenn zum Ausgleich dafür, dass Pfarrkirchen als Kreissitz bestimmt wurde, das Wappen des bisherigen Landkreises Eggenfelden Verwendung finden würde. Kreisrat Poisl wollte in das Wappen noch den Gartlberg mit einbezogen sehen. Die Kreisräte Osterholzer und Sextl meinten, dass der Entwurf des Wappens mit zu vielen Motiven ausgestattet ist.

Schließlich einigte man sich darauf, den Landrat zu beauftragen, mit der Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns und mit dem Bayerischen Innenministerium Verbindung aufzunehmen und dem Kreistag mehrere Entwürfe vorzulegen.

In der Kreistagssitzung vom 21.12.1972 ging es erneut um das Wappen. Kreisheimatpfleger Eder bekam das Wort und stellte einen neuen Entwurf vor. Doch die Meinungen über die Farben und die Stellung des Pferdes gingen auseinander. Die Fraktion der CSU konnte sich nicht mit dem vielen Rot anfreunden und so schlug Kreisrat Weideneder vor, einmal das Pferd in weiß und ein anderes Mal in schwarz zu bringen. Kreisrat Murauer stieß sich an der Haltung des Pferdes und brachte zum Ausdruck, dass der das Wappen diagonal durchziehende Wellenbalken den Inn darstellen solle. Kreisrat Weindl fand das Pferd nicht rottalerisch, da es zu schwer geraten sei. Dem schloss sich Kreisrat Eiblmaier an. Kreisrat Weber hingegen meinte, das Wappen solle so belassen werden, wie es Heimatpfleger Eder vorgeschlagen habe. Kreisrat Loher entgegnete darauf sofort, dass das Rottaler Pferd von eleganter Art sei und das Pferd im Wappen diesen Vorstellungen ganz und gar nicht entspreche.

So ging es noch eine Weile munter dahin. Kreisrat v. Sommoggy meinte gegen Schluss der Debatte, dass ihn die ganze Angelegenheit an das Loreley-Lied „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" erinnere. Er sei froh, dass das Pferd noch als solches zu erkennen sei. Im Protokoll ist vermerkt, dass er damit immerhin einen Beitrag zur Betätigung der Lachmuskeln seiner Kollegen lieferte.

Kreisrat Miller beantragte dann folgenden Beschluss, der mit 48:5 Stimmen die Mehrheit fand:

Der Entwurf von Kreisrat Reinhart, Passau, der auf Grund eines Vorschlages der Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns vom 16.10.1972 gefertigt worden ist, wird dem Bayer. Staatsminsterium des Innern zur Entscheidung vorgelegt.

 

Das Wappen soll bestehen aus einem wachsenden, feuerspeienden roten Panther auf goldenem Grund im oberen Teil, unten ein nach links gerichtetes steigendes rotes Pferd auf goldenem Grund sowie einem schmalen, linksgerichteten blauen Schrägbalken.

Die Farbe der Fahne soll rot, blau und gold sein.

 

Die Beschreibung des beschlossenen Wappens lautet nach heraldischen Gesichtspunkten wie folgt:
„In gold ein schmaler, linksgerichteter blauer Schrägwellenbalken, oben ein feuerspeiender roter Pantherrumpf, unten ein nach links gerichtetes steigendes rotes Pferd."

Nun war man schon relativ weit gekommen, nur noch einer Kreistagssitzung am 21.2.1973 im Bayern-Saal des Gasthauses Kerscher in Gangkofen bedurfte es. Wieder war das Thema „Kreiswappen und Kreisfarben" der Punkt 1 der öffentlichen Sitzung.

Aus der Rede von Landrat Ludwig Mayer, aufgeschrieben im Sitzungsprotokoll:

„Dieser Punkt, so meint der Landrat, stehe heute schon zum soundsovielten Male auf der Tagesordnung. Schon in seiner letzten Sitzung habe der Kreistag einen Beschluss gefasst. Nachdem immer wieder das Pferd kritisiert worden war, habe er heute eine Schultafel aufstellen lassen. Damit solle jedem, der am Pferd etwas auszusetzen hätte, die Möglichkeit gegeben werden, das Pferd zu zeichnen."

Es fand sich nun aber niemand mehr, der sich dazu kritisch äußern wollte, so dass die Schultafel nicht benötigt wurde.

Kreisheimatpfleger Eder erläuterte einige redaktionelle Änderungen, die sich durch die Einschaltung des Bayerischen Staatsarchivs ergeben hatten. Zum einen betreffe es das Pferd und zum anderen die Farben. Beim Pferd wäre nicht nur die Gangart geändert, sondern auch der Schmuck am Huf entfernt worden. Das Bayerische Staatsarchiv hätte sich auch am goldenen Grund für den Panther gestoßen, da der Panther in der Heraldik stets einen silbernen Grund habe.

Auf die Frage des Landrats, ob das Pferd den Ansprüchen genüge, ist vom Kreistag nur Zustimmung zu hören (die drohende Schultafel!).

Endgültig wurde dann mit 51:0 Stimmen beschlossen:

  • Der Kreistag nimmt das Wappen in der vorgelegten Form an.
  • Die endgültige Fassung der Wappenbeschreibung lautet: „Durch einen schmalen, nach links gerichteten blauen Wellenschrägbalken geteilt in Silber und Gold; oben ein feuerspeiender roter Pantherrumpf, unten ein nach links gerichtetes steigendes rotes Pferd."
  • Der Panther symbolisiert die Zugehörigkeit des Kreisgebietes zum ehemaligen Viztumamt an der Rott, das Pferd deutet auf das Rottal hin, der blaue Wellenschrägbalken bezieht sich auf das Inntal.
  • Die Fahne des Landkreises soll die Farben Blau, Rot, Gold und Silber enthalten.

So und nicht anders hat sichs zugetragen bei der Entstehung unseres Landkreiswappens im Jahre 1972. Respekt vor den Kreisräten, die sich wirklich viel Mühe gaben. Und bezüglich der Schultafel sieht man, dass man mit unkonventionellen Methoden oft einmal schneller zum Ziel kommt. Nur trauen muss man sich.

Die Regierung von Niederbayern hat dann im Oktober 1973 das Wappen schriftlich bestätigt. Historisch und ästhetisch stellt es eine geglückte Lösung dar.

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