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Die Zitherinstrumente

Über die Geschichte der Zither sind bereits unzählige Abhandlungen geschrieben worden. Der eine Forscher glaubt die Zither stammt von der altgriechischen Kithara, wobei hier gesagt sei, dass von diesem Instrument der Antike nur der Name "Zither" abgeleitet wurde. Ein anderer Forscher meint, aus Arabien eingewanderte Gitarrearten seien die Urahnen und wieder andere möchten gar in einer chinesischen Horizontalharfe oder einer indischen Vina die Urform der Zither sehen. Und weitere schwören die Zither sei eine Tochter der Mandoline oder gar aus Gitarre und Hackbrett entstanden. - Alle aber werden übertrumpft von einem Kapuzinerpater, der schreibt: die Zither existiert seit beiläufig 4500 Jahren nach der Heiligen Schrift. Ganz sicher kann man annehmen, dass sie ihren Ursprung in dem primitiven Volksinstrument der alten Griechen - dem sogenannten Monochord hat. Dieses Monochord war ein einsaitiges Instrument, das sich wiederum bis in die graue Vorzeit zurückverfolgen läßt. In den Klöstern wurde dieses mitunter bis zu vier Saiten bespannte Instrument nachweisbar schon im 11. Jahrhundert für den Gesangsunterricht verwendet. Aus dem Monochord, dem Einsaiter, aber entwickelte sich im Verlauf der Jahrhunderte durch Vermehrung der Saiten und Vergrößerung der Form das sogenannte "Scheitholt" (ein psalterförmiges Instrument des 14. / 15. Jahrhunderts), welches ein beliebtes Volksinstrument wurde.

In der Beschreibung von Michael Prätorius, in der er dieses Scheitholt zu den Lumpeninstrumenten zählte - dieser Prätorius war also damals noch nicht sehr erbaut über unseren Vorläufer der Zither - schreibt er unter anderem:"Es war ein länglicher, schmaler Kasten, in dem drei oder vier Wirbel steckten. Mit diesen wurde im Laufe der vielen Jahre weiterentwickelt zu einem Instrument, das in manchen Gegenden, vornehmlich aber in Tirol Raffele genannt: Diese Urzither wird noch nicht mit einem Ring am Daumen gespielt, sondern mit einem Plektrum - früher verwendete man dazu Horn oder Fischbein - also mit einem Plektrum geschlagen.

Diese diatonische Zither hat sich in ihrer ursprünglichen Form und Griffbretteinteilung bis heute erhalten. Vornehmlich in Südtirol treffen wir das Raffele im lebendigen Volksmusikgebrauch noch an.

 

Wanderzither

Zither eines Wandermusikanten aus
St. Pölten. Dieses Instrument wurde
umgehängt wie eine Gitarre.
Das Griffbrett ist Seitenverkehrt angebracht.

 

Raffele

Diese "Urzither" besitzt drei Saiten: d'/ a' / a'

 

Auf dem folgenden Instrument sehen wir nun beide Griffbrettausführungen.
Oben die Scherrzither mit zwei e' - Saiten (A-Dur)
Unten das Raffele mit d' - a' - a' - Saiten

 

Scherrzither

Die flinke Spielerhand wechselt von einem
Griffbrett zum anderen - ein neuer Musikteil
mit einer neuen Tonart!

 

 

Um die Wende des 19. Jahrhunderts begann die Zither im Flachland und in den größeren Städten - allen voran in München und Wien - bekannt zu werden. Reisende Sänger aus den Alpengebieten brachten sie in die Länder, und auch die zunehmende Touristik hatte für die Verbreitung großen Einfluß. Wie Inschriften in alten Zithern bestätigten, besaß Wien um 1780 schon Zitherfabrikanten. Ein berühmter Zitherbauer war Franz Kren in München. Seine Zithern kosteten von 3 Gulden aufwärts und in die Schallöcher klebte er selbstverfaßte Sprüche. Ein solcher Zettel trägt folgenden Wortlaut: Franz Kren, Saiten- und Salzhändler und berechtigter Zithermacher und darunter stand folgender Spruch: "Lieber Jüngling nimm dich wohl in acht, lieb Tugend und Unschuld Tag und Nacht - willst du ein Jüngling bleiben bei dieser Zeit, so spiel Zither auf Nacht zum Zeitvertreib."

 

Aus der Kratzzither wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert die Schlagzither in Mittenwalder und Salzburger Form.
 

Nicht die Form, also das Aussehen des Resonanzkörpers, sondern die Ausführung des Griffbretts ist das wesentliche Merkmal der diatonischen Zither.

 

Kratzzither

Foto: diatonische Zither in Mittenwalder For
(birnenförmiger Resonanzkörper)

 

 

Die Salzburger Form, bei der der Korpus mit dem Griffbrett gerade abschneidet und nur auf der entgegengesetzten Seite ausgebuchtet ist, setzte sich gegen die birnenförmig geschwungene Form durch, die von Mittenwalder Intrumentenbauern aus der anfänglichen Rechteckform abgeleitet worden war. Namhafte Zithermacher waren der 1789 in Mittenwald geborene und im damaligen Münchner Vorort Haidhausen tätige Ignaz Simon und sein Neffe Johann Haselwanter, dessen Instrumente 1869 bei der Pariser Weltausstellung ausgezeichnet wurden.

 

Haselwanter Zither

Foto: Haselwanter Zither

 

Ein Griffbrett wie eine Zither, jedoch gewölbt, um das Streichen der einzelnen Saiten zu ermöglichen.
Die Besaitung, wie die der Violine (e''- a' - d' - g ) oder Viola (a' - d' - g - c )
Der Spieler sitzt etwas erhöht am Tisch, vor ihm liegt die Streichzither. Das untere Ende ragt soweit über die Tischkante, dass die Bogenführung daran vorbeigeht. Früher saß der Spieler am Tischeck, so war dieses Problem gelöst.
Mit der linken Hand greift der Spieler das Griffbrett, wie beim Zitherspiel, der Ellenbogen ist jedoch höher gehalten, zum einen bedingt durch die vertikale Lage des Griffbretts, was zum anderen der Bogenführung unter den linken Ellenbogen hindurch zugute kommt.
Die rechte Hand führt den Bogen, möglichst geradlinig, genauso wie ein Geigenspieler.
Die Streichzither klingt leiser als die Geige, etwas näselnd im Ton. Der zarte Klang passt gut zur Zither, Melodiegitarre, Harfe und einchörigem Akkordeonregister bzw. flacher zweichöriger Ziach.
Auch gezupft kann man sie zwischendurch spielen.

 

Streichzither
Johann Petzmeier (1803 - 1884), der Zitherlehrer
von Herzog Max (1808 - 1888) erfand
um 1825 die Streichzither.

 

Streichzither

Links eine Streichzither (gebaut 1911 von Kochendörfer, Stuttgart)
Mitte eine Streichzither (von J. Hauser um die Jahrhundertwende)
Rechts eine Streichzither aus Markneukirchen

 

 

 

1. Kopf
2. Wirbel
3. Griffbrett
4. Sattel
5. Decke
6. Schalloch
7. Zargen
8. Steg
9. Saitenhalter 

 

Streichzither

 

Nikolaus Weigl (geb. 1811)
Dieser Name ist zu merken, denn er war der Bahnbrecher auf theoretischem Gebiet. Er ist der Vater der lückenlosen Quart-Quintbesaitung und der Griffbrettsaitenfolge a, a, d, g, sowie der chromatischen Bundeinteilung des Griffbrettes. In diesem Sinne schuf er die erste Zitherschule und ist unsere heutige Kompositions- und Spieltechnik in erster Linie seinem schöpferischen Geist zuzuschreiben

Rechts:
Titelseite eines alten vergilbten Notenbüchl von Nikolaus Weigl selbst geschrieben.

 

Musikinstrumente 

  

Zitherformen des 20. Jahrhunderts

Das Bild zeigt Zitherformen, die heute überwiegend in Gebrauch sind:
Mittenwalder Zither (oben links, Birnenform)
Die Harfen-Luftresonanz-Konzertzither (oben rechts, Salzburger Form)
Die Psalter Zither (unten)

Mit diesen modernen Instrumenten gehen Zitherfachleute heute auch musikalisch  neue Wege.

 

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Zitherformen des 20. Jahrhunderts

 

 

                                                                                                                                                                        

 

 

 

 

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