01.06.2026 - Auf Marathonlauf einstellen: Landrat Koppmann informiert über Stand der Frauenarztversorgung

„Wir wissen, dass wir nicht allzu viel wissen und noch weniger sagen dürfen“, fasste Landrat Martin Koppmann ein Gespräch mit Pfarrkirchens 1. Bürgermeister Wolfgang Beißmann, Arnstorfs 1. Bürgermeister Christoph Brunner und stellv. Landrätin Larissa Hausberger am Rande der Gesundheitskonferenz der Gesundheitsregion plus Rottal-Inn die Situation um die Frauenarztversorgung im Landkreis zusammen. 

Ihm sei bewusst, dass die jetzige Situation, in der für viele Frauen keine oder keine ansatzweise zeitnahen Frauenarzttermine möglich sind, sehr problematisch sei. Gemeinsam mit Landratsstellvertreterin Larissa Hausberger kritisierte Koppmann in diesem Zusammenhang erneut das Verhalten seines Amtsvorgängers im Wahlkampf: „Es wurde eine Erwartungshaltung bei Frauen geweckt, dass gleich etwas passiert und sich die Situation bei Wahl des richtigen Kandidaten umgehend entspannen würde. Für solche Aussagen scheint es aber nie groß Grund gegeben zu haben“, hält Hausberger fest. Koppmann bestätigt dies: „Wir sind derzeit dabei, die Vorgänge zu rekonstruieren und uns die nötigen Informationen zusammenzusuchen. Es gab ja bekanntlich keine fließende Übergabe laufender Vorgänge nach der Stichwahl, das wirft uns zeitlich zurück und entsprechend weiß niemand, was bei den Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) konkret erreicht oder vereinbart wurde. Schriftlich scheint es nichts zu geben, lediglich ein von mir mit meinem Amtsantritt erbetenes Gedächtnisprotokoll eines engen Mitarbeiters von Herrn Fahmüller liegt vor. Daraus schließend sehe die KVB keine Unterversorgung in der frauenärztlichen Versorgung im Landkreis und sei über das Hineinziehen des Themas in den Wahlkampf „not amused“ gewesen. 

In Schutz nimmt Koppmann in dieser Sache die mit der Materie befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes: „Sie haben mir glaubhaft versichert nicht eingebunden gewesen zu sein oder von der Aktion abgeraten zu haben, da sie dem Landkreis auf die Füße fallen könnte“, so der Landrat.  Koppmann möchte seinerseits einen sachlichen Austausch mit der KVB pflegen und hat nun seinerseits ein Gespräch mit verantwortlichen Ansprechpartnern am 01.07. vereinbart. Man hat seitens der KVB um mögliche Gesprächsthemen gebeten und er habe ich die Situation der frauenärztlichen Versorgung ganz nach oben setzen lassen. 

In Summe gehe es um einen seit längerem verwaisten Sitz in Arnstorf und um zwei KV-Sitze in Pfarrkirchen. „Ein Sitz in Pfarrkirchen wurde im März 2026 aber von der KVB auf Intervention meines Amtsvorgängers, wieder gegen den Rat aus dem Amt, zur Ausschreibung gestellt. Der Sitz in Arnstorf war bereits öfter ausgeschrieben worden. Die Fristen für Bewerbungen für Arnstorf und Pfarrkirchen sind vor meinem Amtsantritt ausgelaufen. Offizielle Ergebnisse hierzu erfahren wir im Juni, sollte sich jemand beworben haben und falls ja wer“, fasste der Landrat seinen Wissensstand zusammen. Abschließend bittet Koppmann um Geduld: „Mir sind die Schilderungen von Frauen, die mit einem Knoten in der Brust eine Odyssee mit ungewissem Ausgang antreten müssen bekannt und sie belasten mich, weil ich ihnen derzeit nicht helfen kann. Das ist kein Aushängeschild für unseren Landkreis und unser Gesundheitssystem als Ganzes, völlig klar. Trotzdem müssen wir uns auf einen „Marathonlauf“ einstellen, da auch die KVB keine Ärzte auf Vorrat hat, die sie uns bei Anruf binnen einer Woche zuweist. Die Situation ist über Jahre aufgelaufen und ich kann keine schnelle Besserung versprechen. Das ist bitter und mag zu Enttäuschungen führen, aber es ist ein Gebot der Fairness gegenüber den Frauen, ihnen hier reinen Wein einzuschenken. Was ich zusagen kann ist, mich weiter prioritär um das Thema zu bemühen, weitere Gespräche mit der KVB zu führen und auch die Landes- und Bundespolitik an ihre Verantwortung gegenüber den Menschen zu erinnern. Letztlich können wir als Kommunalpolitik wie auch die KVB nur unter den Bedingungen arbeiten, die uns von den darüberliegenden Ebenen geschaffen wurden. Bevor man also wieder neue Ausgabenwünsche äußert, wäre es nicht schlecht, wenn sich insbesondere Berlin mehr um die zusehends morsche Basisversorgung kümmern würde“, mahnt Koppmann. 

Abschließend bat er parteiübergreifend um Unterstützung für seinen Kurs: „Die Wahlen sind jetzt rum und so wie wir heute zusammenstehen: CSU, FW, Grüne, UWG und Verwaltung, so müssen wir das Thema in den nächsten Monaten gemeinsam voranbringen.“ Er dankte Beißmann, Brunner und Hausberger für ihr Kommen und die Bereitschaft zum Austausch. Beißmann und Brunner betonten, dass sie eine ganzheitliche Lösung anstreben und dankten ihrerseits dem Landrat für die Einladung und seine Offenheit. Herr Beißmann ergänzte, er werde sich selbstverständlich weiterhin für eine Verbesserung der derzeitigen Situation einsetzen und alle entsprechenden Bestrebungen unterstützen. Hausberger kündigte zudem an, dass man auch beim ersten Treffen des neu gegründeten Frauenforums das Thema parteiübergreifend als sehr drängend erachtet habe und sich gerne zusammen mit dem Landrat und den betroffenen Bürgermeistern an einer Lösungsfindung beteilige.

 

 

 

 

Bild: Wie geht es weiter mit der Frauenarztsituation in Rottal-Inn? Zum aktuellen Stand tauschten sich am Rande der Gesundheitskonferenz (v. l.) Pfarrkirchens 1. Bürgermeister Wolfgang Beißmann, die Geschäftsführerin der Gesundheitsregion plus Anna Huber, die stellvertretende Landrätin Larissa Hausberger, Landrat Martin Koppmann und Arnstorfs 1. Bürgermeister Christoph Brunner aus.