09.06.2026 - Gotik-Begeisterte erkunden Massing

Die Kulturarbeit des Landkreises lädt jährlich zusammen mit der mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-INN-Salzach (KEB-RIS) zur Entdeckung des Mittelalters in unserer Region, wobei kurze Spaziergänge zu Kulturdenkmalen der Region führen. Vor kurzem begrüßte daher Lothar Müller im Namen der KEB-RIS die rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Gotik-Spaziergang bei sommerlichem Wetter an der Pfarrkirche St. Stephanus in Massing.

„Spätgotisches und Neugotisches fließen in diesem Bauwerk erstaunlich stimmig zusammen“, fand der Kulturbeauftragte des Landkreises Dr. Ludger Drost, der die Gruppe führte. Aber: was ist das eigentlich: gotisch, spätgotisch, neugotisch? „Gotisch“, erfuhren die Zuhörer, war ursprünglich eher ein Schimpfwort, gleichbedeutend mit „barbarisch“ und der Gegensatz zu klassischer griechisch-römischer Kunst. Im 15. Jahrhundert, als unter den Reichen Herzögen von Niederbayern-Landshut zahlreiche Kirchen gebaut wurden, hätte sie ganz bestimmt niemand als „gotisch“ oder „spätgotisch“ bezeichnet.

Erst vor rund 250 Jahren änderte sich das. Goethe in Straßburg zum Beispiel oder die Vollender der Dome in Köln und Regensburg entdeckten die Gotik als Stil, ahmten ihn nach und versuchten die Originalbauten sogar zu übertreffen. In Massing ergänzte man die Pfarrkirche 1869-1877 durch prachtvolle neugotische Anbauten sowie Einrichtungsgegenstände. Und noch einige Zeit später, im Jahr 1938, steuerte die Massinger Künstlerin Berta Hummel ein Bild des wenige Jahre zuvor heiliggesprochenen Bruder Konrads bei ‒ nicht gotisch, aber unbedingt sehenswert.

Von Massing führte ein halbstündiger Fußweg in den Weiler Moosvogel. Drei Höfe und die einstige Mühle standen hier seit jeher beieinander, dazu ein kleines Kirchlein. Erbaut haben es die Zisterziensermönche von Raitenhaslach, denn ihnen gehörte der Ort. Sie bewirtschafteten ihn selbst als „Grangie“ und benötigten für ihre Gebetsverpflichtungen das Gotteshaus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewunderten den kleinen aber anspruchsvollen Kirchenbau mit dem wunderbaren spätgotischen Rippenstern, der das Langhaus überwölbt. Zwei entspannte Stunden mit Besichtigung, Spaziergang, Luft und Sonne endeten mit einem gemeinsamen Gruppenbild vor der Kirche in Moosvogl. Und wer nun Lust auf solche Veranstaltungen bekommen hat: Die Gotik-Spaziergänge werden unter anderem auf dem Gotikportal unter www.gotikportal.de/kalendarium oder im Programm der Katholischen Erwachsenenbildung unter www.keb-ris.de angekündigt.

 

 

 

Bild: Nach der Besichtigung der Kirche in Moosvogl stellten sich die Teilnehmer am Gotikspaziergang zum Gruppenbild. (Foto: Lothar Müller)