27.08.2025 / Unternehmensbesuch

Marktführer sitzt in Anzenkirchen

Tradition trifft Moderne: Landrat Fahmüller besucht die Firma Wensauer im Landkreis Rottal-Inn

 

Seit 1863 steht der Name Wensauer für handwerkliche Präzision, wenn es um das Hammer- und Metallhandwerk, Glockenklöppel und Schrotthandel geht. Heute führt die fünfte Generation mit Stefan und Martin Wensauer das Familienunternehmen weiter – und setzt dabei auf die Verbindung von Tradition, Innovation und Nachhaltigkeit.

Landrat Michael Fahmüller besuchte das familiengeführte Unternehmen im Rahmen seiner regelmäßigen Betriebsbesuche, um sich vor Ort ein Bild von aktuellen Chancen und Herausforderungen zu machen. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der langen Firmen- und Familiengeschichte und der stetigen Weiterentwicklung des Betriebs: „Es ist großartig zu sehen, wie hier in Rottal-Inn Tradition, Innovation und internationale Ausrichtung zusammenkommen“, so Fahmüller.

Die Werkstatt in Anzenkirchen beschäftigt derzeit neun Mitarbeiter in der Klöppelwerkstatt und im Bereich Hammer- und Metallhandwerk – hier werden z. B. auch große Teile von Windkraftgeneratoren, sogenannte Rotoren, bearbeitet und für Reparaturen vorbereitet – und sieben Mitarbeiter im Schrotthandel. Dort wird Schrott aus Produktionsabfällen von umliegenden Firmen oder privater Abfall sortiert, zerlegt und auf die richtigen Abmessungen und Gewichte für Stahlwerke, Metallhütten und Gießereien geschnitten, verpresst und für eine Wiederverwertung vorbereitet – ein Beitrag zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Viel Energie bezieht das Unternehmen bis heute aus Wasserkraft, ergänzt durch eine großflächige Photovoltaikanlage. „Die Nähe zum Wasser war für unser Handwerk schon immer entscheidend als Standortfaktor“, erklärt Martin Wensauer.

Die Glockenklöppel aus Anzenkirchen haben längst europaweit Abnehmer – von den Niederlanden bis in die Schweiz. Prominentestes Beispiel: Die Kathedrale von Notre-Dame, die nach einem verheerenden Brand wiedereröffnet werden konnte, ist wieder mit zwei Klöppeln aus der Werkstatt des Rottaler Hammerwerks ausgestattet. Schon vor 12 Jahren wurden alle Glocken der Kathedrale mit Glockenklöppeln aus Anzenkirchen bestückt. Die Schmiede müssen bei der Fertigung die unterschiedlichen Anforderungen und Traditionen der Länder und Gemeinden berücksichtigen: Jede Glocke braucht ihren eigenen Klöppel, und auch die Befestigungssysteme unterscheiden sich. Rund 80 Prozent der gefertigten Klöppel werden für die Sanierung bestehender Anlagen genutzt. Damit leistet das Rottaler Hammerwerk einen wichtigen Beitrag zum Denkmalschutz. Der größte Klöppel, den die Werkstatt bislang gefertigt hat, brachte stolze 660 Kilogramm auf die Waage.

Mit großer Präzision widmen sich die Fachkräfte den Herausforderungen ihres Handwerks. Besonders die Arbeiten in der Schweiz gelten als anspruchsvoll, da dort sehr geringe Verarbeitungstoleranzen erlaubt sind. Beim Formen eines Klöppels mit mehreren hundert Kilo ist Teamarbeit gefragt. „Jeder in der Werkstatt muss den Handgriff des anderen kennen, alles muss Hand in Hand gehen“, betont Martin Wensauer. Geschmiedet wird im Rottaler Hammerwerk noch nach alter Tradition, ganz klassisch mit Amboss und mechanischen Schmiedehämmern. Aber natürlich entwickelt sich auch ein so altes Handwerk weiter: „Mittlerweile nutzen wir natürlich auch neue und moderne Techniken, vor allem Hilfsmittel wie Hebekräne, um die größtenteils körperlich schwere und anstrengende Arbeit zu erleichtern aber auch CNC-Fräsen und -Drehen für Metallarbeiten“, so Wensauer. Insgesamt fertigt das Unternehmen jährlich rund 1.500 bis 1.700 Klöppel in allen Größen.

Besonders der Fachkräftemangel sei in den letzten Jahren spürbar geworden. Nachwuchs zu finden sei nahezu unmöglich, so Martin und Stefan Wensauer im Gespräch mit Landrat Michael Fahmüller. Obwohl Hammerschmied ein vielversprechender Beruf mit guten Entwicklungschancen sei, konnte man in den vergangenen Jahren keine Auszubildenden gewinnen. „Bei uns lernt man einen hochgeschätzten Handwerksberuf mit sehr guten Berufschancen. Wir sind mit dem Rottaler Hammerwerk deutschlandweit Marktführer auf unserem Gebiet und können daher in eine vielversprechende Zukunft blicken“, so Martin Wensauer weiter im Gespräch. Nun wolle man sich Strategien überlegen, wie man den Nachwuchs wieder mehr für das Handwerk als Hammerschmied begeistern kann. So besuchen immer wieder Schülerinnen und Schüler der Grund- und Mittelschule in Triftern den Handwerksbetrieb. Ein eigener Instagram-Account soll in Zukunft mehr Reichweite bringen und Einblicke in den Beruf des Hammerschmieds geben. Zudem überlegt man, sich im kommenden Jahr mit einem eigenen Stand auf der Messe Berufswahl Rottal-Inn des Landkreises zu präsentieren. „Wir freuen uns immer über interessierten Nachwuchs, ob als Praktikant, Ferienjobber oder Azubi“, so Martin Wensauer abschließend. 

Für die enge und unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Behörden fand das Unternehmen lobende Worte. „Wir fühlen uns gut unterstützt, wenn wir etwas benötigen“, so Stefan Wensauer und nennt als Beispiel die Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde, als es um den Bau einer Fischtreppe am Wasserkraftwerk ging. Landrat Fahmüller sicherte auch weiterhin seine Unterstützung zu: „Der Landkreis ist stolz auf solch traditionsreiche Betriebe, die mit Innovationskraft und Durchhaltevermögen weit über die Region hinaus wirken.“

 

 

Bild: Zufrieden über den guten Austausch: (v. l.) Die beiden Geschäftsführer Martin und Stefan Wensauer, Landrat Michael Fahmüller, Christian Kirschner, Thomas Deuerling, Eduard Wensauer sen. und Trifterns Bürgermeisterin Edith Lirsch.