Im regional bedeutsamen Wiesenbrütergebiet bei Anzenkirchen finden in diesem Winter wieder umfangreiche Pflegearbeiten statt. Auf ausgewählten Landkreisflächen sowie auf bestehenden Ausgleichsflächen des Staatlichen Bauamts Passau werden Gehölze entfernt, um das wertvolle Offenlandhabitat für gefährdete und vom Aussterben bedrohte Wiesenbrüterarten wie Kiebitz, Bekassine, Feldlerche und Wiesenpieper zu erhalten und weiter aufzuwerten
„Noch vor etwa 30 Jahren präsentierte sich das Gebiet nahezu baumlos und von extensiven Wiesen geprägt. Das waren ideale Bedingungen für die empfindlichen Bodenbrüter, die offene Landschaften mit freier Sicht bevorzugen. Damals konnte hier sogar noch der Große Brachvogel angetroffen werden, der im Landkreis Rottal-Inn inzwischen leider als Brutvogel ausgestorben ist“, so Ornithologe Florian Marchner vom Fachbereich Naturschutz am Landratsamt Rottal-Inn. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Gehölzbewuchs inzwischen stark ausgeweitet. Bäume und dichtes Gehölz bieten Greifvögeln und Rabenkrähen Ansitzmöglichkeiten, welche den Druck auf die dort vorkommenden Wiesenbrüter erhöhen und deren Bruterfolg erheblich verringern.
Mit der gezielten Entfernung von Gehölzen soll der ursprüngliche Offenlandcharakter des Gebietes wiederhergestellt und die Brutbedingungen für Wiesenbrüter deutlich verbessert werden. Durch die Freistellung großer Sichtachsen entsteht ein sicheres Umfeld, in dem die Vögel ungestört brüten und ihre Jungen aufziehen können.
Zusätzlich werden flache Mulden und Feuchtstellen, sogenannte Seigen, für den Kiebitz angelegt. Diese Flächen dienen als Nahrungsflächen und Balzplätze, auf denen die bedrohten Vögel ihre charakteristischen Flug- und Rufspiele zeigen. Gleichzeitig fördern die Seigen generell die Biodiversität im Offenland und tragen so zu einem funktionierenden Ökosystem bei. Darüber hinaus wird seit vielen Jahren eng mit den Flächenbewirtschaftern zusammengearbeitet, um die Schnittzeitpunkte der Wiesen optimal abzustimmen (z. B. im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms).
Zusammenfassend führt Florian Marchner aus, dass mit den geplanten Maßnahmen der bedrohte Lebensraum der Wiesenbrüter langfristig gesichert und der Biotopverbund weiter gestärkt wird. Er weist außerdem Landwirte und Beobachter darauf hin, dass in der kommenden Brutsaison in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Rottal-Inn e. V. (LPV) wieder Gelegeschutzmaßnahmen durchgeführt werden, um Nester während der Bewirtschaftung zu schützen. Die Kiebitze treffen bereits im Februar ein und beginnen ab Ende März mit der Brut. Nestmeldungen, besonders auf noch unbestelltem Ackerland, sind daher sehr wertvoll und werden vom LPV nach Rücksprache mit dem Bewirtschafter direkt markiert, damit sie bei der Bewirtschaftung nicht versehentlich zerstört werden. Zudem bietet der LPV den Landwirten verschiedene weitere honorierte Schutzmaßnahmen an.
Für Fragen stehen Florian Marchner vom Naturschutz am Landratsamt Rottal-Inn, Tel. 08561 20-341, fachlicher.naturschutz@rottal-inn.de oder Adrian Wimmer vom LPV Rottal-Inn, Tel.: 08721 5089358, wiesenbrueter@lpv.rottal-inn.de zur Verfügung.
Bild: Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist auf offene Landschaften und Feuchtstellen angewiesen (Bildnachweis: Pixabay, Karsten Madsen).