16.07.2021 - Zwischen Landwirtschaft und Politik - Schwierige Themen entspannt diskutiert

Bauernverband und Landwirte diskutieren mit Politikern über Nöte, Wünsche und Sorgen

Landrat Michael Fahmüller lud zum gemeinsamen Informations- und Meinungsaustausch

 

Zum Thema regionale Landwirtschaft und Politik ins Sonnengut Bad Birnbach, dem neben Vertretern des Bauernverbandes Rottal-Inn auch MdB Max Straubinger und MdL Martin Wagle gefolgt sind. Als Vertreter der Landwirte waren Kreisobmann Hermann Etzel, Kreisbäuerin Paula Hochholzer und Kreisgeschäftsführer Veit Hartsperger sowie die Landwirte Markus Nagl, Stefan Stelzeneder und Sepp Meindl dabei.

Wichtige und zukunftsentscheidende Themen für die Landwirtschaft in Rottal-Inn standen auf der Tagesordnung. Zuvor stellte Landrat Fahmüller dar, dass Landwirtschaft und das dörfliche Leben vor Ort zusammengehören. Das sei ein Grund mehr, die Landwirtschaftspolitik auf kommunaler Ebene mitzugestalten und mitzubestimmen.

Dabei ist die gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft gerade in einem Flächenlandkreis wie Rottal-Inn groß.

 

Dass sich der BBV mehr Austausch zwischen Politik und den Vertretern der Landwirte wünscht, stellte Kreisobmann zu Beginn des Gespräches deutlich dar. Dabei dankte er Landrat Michael Fahmüller für die Organisation dieses gemeinsamen Gespräches, denn schließlich „laufen viele Fäden im Landratsamt zusammen“, dieser Termin sei ein guter Ansatz. Der BBV sei die Stimme der Landwirte, welche laut Etzel einer ungewissen Zukunft gegenüberstehen. In der Vergangenheit seien gewaltige Summen in den landwirtschaftlichen Betrieben investiert worden, die schüre natürlich Existenzängste bei den Landwirtsfamilien.

Weltweit ist ein Umdenken und eine Veränderung in der Landwirtschaft zu verspüren.

 

Kreisgeschäftsführer Veit Hartsperger erläuterte im Gespräch, dass bei vielen Bauern die Bereitschaft zur Veränderung durchaus da wäre, aber: „Landwirte haben aktuell das Gefühl, dass sie nicht wissen, wo sie hingehören“, so der Kreisgeschäftsführer. Zum einen gibt es den Nebenerwerbslandwirt, der neben dem Beruf eine Landwirtschaft betreiben kann, die er nach seinen Vorstellungen gestalten kann. Es gibt aber auch den Milchviehbetrieb, den Ferkelerzeuger, der das gesamte Familieneinkommen aus diesem Betrieb erwirtschaften muss, und gerade hier braucht es Vertrauen in die Politik. Es fließe Geld von politischer Seite für Investitionen und das sei gut so. Aber man wünsche sich mehr Investition in den Menschen, in den Landwirt selbst, auch „mehr solche Gespräche wie heute“, fügte Hartsperger an.

MdL Martin Wagle stellte gleich zu Beginn seiner Ausführungen klar: „Jeder Unternehmer braucht Planungssicherheit.“ Kaum ein Wirtschaftszweig sei dabei aktuell so dem Wandel unterworfen wie die Landwirtschaft. Wagle zeigte aber auf, dass es eben auch übergeordnete Gesetze, wie beispielsweise die Wasserrahmenrichtlinie aus Brüssel gibt, die von den jeweiligen Ländern und Bundesländern in einem gewissen Rahmen als Gestaltungsrichtlinien umzusetzen sind. Da ist man dann in Bayern oft anderer Ansicht wie zum Beispiel in Bundesländern mit vermehrt landwirtschaftlichen Großbetrieben. Aber Bayern habe hier ein klares Ziel: „Der Familienbetrieb soll die Landwirtschaft der Zukunft bilden.“, so Wagle. Diesen Prozess will der Freistaat zusammen mit den Landwirten gestalten.

Eine Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb sei bei vielen gewünscht, so Kreisbäuerin Paula Hochholzer, aber es müsse auch in die individuelle wirtschaftliche Lage der Betriebe passen. Die Landwirte tragen die Verantwortung für Ernährungssicherheit im Land, werden dafür aber nicht gerecht entlohnt und wertgeschätzt. Der Bauernverband erwarte Empfehlungen, mit denen eine nachhaltige, wirtschaftliche und zukunftsfähige Landwirtschaft möglich bleibe. Gerade das Thema der Anbindehaltung stelle viele Betriebe vor große Herausforderungen, vor allem, weil es bereits Molkereien gäbe, die ab 2024 keine Milch aus Anbindehaltung mehr abnehmen wollen.

MdB Max Straubinger machte hier deutlich, dass solche Qualitätskriterien eben von Molkereien und nicht von der Politik gemacht werden. Es gibt aktuell kein Verbot von Anbindehaltung von Seiten der Politik. Bei vielen Themen entstehe ein gesellschaftlicher Druck, der nicht von der Politik komme. „Grundsätzlich geht es um einen fairen Ausgleich zwischen den gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft einerseits und den Interessen der Landwirte anderseits.“, so Straubinger, die Politik stehe hier eben oft zwischen den Stühlen.

Diesen Punkt griff auch Martin Wagle auf indem er anführte, dass heutzutage leider oft der Bezug zur Landwirtschaft fehle, er sprach von einer „entfremdeten Gesellschaft“. Hier sehe er alle in der Pflicht, nicht nur die Minister, sondern auch die Landwirte selbst. Man müsse wieder deutlicher werden und erklären, wie Landwirtschaft funktioniere. Natürlich verändere der Verbraucher sein verhalten und man muss sich daran anpassen, aber Aufklärung sei hier ein zentraler Baustein.

 

Die Landwirte Sepp Meindl und Stefan Stelzeneder nehmen hier auch die Medien in die Pflicht. Schon oft wurde die konventionelle Landwirtschaft in Berichten schlecht dargestellt und unfair behandelt. Journalisten wissen oft wenig über die Landwirtschaft, haben Vorurteile und geben dem gesellschaftlichen Druck nach. Das schlage sich in der Berichterstattung wieder. Dazu komme, dass sich nur noch selten ein interessierter Verbraucher auf die Höfe verirrt. Neutrale Aufklärung Seitens der Medien sei enorm wichtig. Nur so schaffe es die Landwirtschaft zurück in die Mitte der Gesellschaft.

 

Ein Thema, dass vor allem Hermann Etzel auf den Nägeln brennt, ist das Thema der roten Gebiete. Die Düngeverordnung verpflichtet die Landesregierungen, in Gebieten mit einer hohen Stickstoffbelastung des Grundwassers (sogenannte „rote Gebiete“) per Landesverordnung auszuweisen und für diese Gebiete zusätzliche Auflagen bei der Landbewirtschaftung und Düngung zu erlassen. Hier gebe es aber viel zu wenig Messstellen im Landkreis. Veit Hartsperger fügte hinzu, dass unterschiedliche Messwerte innerhalb eines Grundwasserkörpers besser in die Ausweisung der Gebiete einfließen sollen, um die Bauern vor Ort zu entlasten. Wagle und Straubinger werden diese Thematik mitnehmen und nochmal in den jeweiligen Gremien diskutieren.

 

„Wir Bäuerinnen und Bauern – egal ob bio oder konventionell - können mit unserer Arbeit Klima, Umwelt, Wasser, und Arten schützen und unsere Tiere tierwohlgerecht halten. Dafür fordern wir eine angemessene, finanzielle Entlohnung. Voraussetzung für den Umbau ist, dass die Politik unsere Empfehlungen umsetzt und politische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen schafft.“, so Hermann Etzel und Markus Nagl.  

Max Straubinger machte zum Schluss nochmal deutlich: „Es geht für uns darum, die Landwirtschaft zu erhalten und Wege zu finden, wie das möglich ist”. Natürlich gibt es Probleme auf europäischer Ebene, oft bedingt dadurch, dass vor allem osteuropäische Partner andere Regeln und Vorgaben haben als die westlichen europäischen Staaten, aber die Bundespolitik übt hier Druck aus und fordert Angleichung.

Gleichzeitig kritisiere Straubinger aber auch Lebensmittelgeschäfte, die Versprechen für mehr Tierwohl machen, den regionale Produzenten bestimmte Haltungsformen aufoktroyieren aber gleichzeitig nicht auf das argentinische Rindfleisch in der Kühltheke verzichten wollen.

 

„Wir ziehen alle an einem Strang und stehen auf derselben Seite“, machte Landrat Michael Fahmüller zum Ende des Gesprächs deutlich, dass er die Sorgen der Landwirte teilt. „Denn die Landwirtschaft wird ein ganz wichtiger Eckpfeiler für die kommenden Generationen bleiben.“ 

 

 

Foto (v.l.n.r.): Veit Hartsperger, Stefan Stelzeneder, Martin Wagle, Sepp Meindl, Paula Hochholzer, Max Straubinger, Hermann Etzel, Michael Fahmüller, Markus Nagl.